Ein ganz besonderes Fühlpaket

Bei Online-Beratungen mache ich meinen KundInnen immer ein Fühlpaket fertig, denn das Anfassen und Erkunden der Windeln gehört für mich einfach zu einer Stoffwindelberatung dazu. Nun habe ich ein für mich sehr besonderes Fühlpaket gepackt, denn es ist so weit: es findet ein Gespräch mit dem AWB Emsland statt!

Vielleicht erinnert ihr euch – zusammen mit Sabrina habe ich einen Offenen Brief geschrieben, der einen Stoffwindelzuschuss oder zumindest die Nennung von Stoffwindeln als Alternative zu Einwegwindeln anstoßen sollte. Ich freue mich sehr auf das Gespräch und habe extra meine niedlichsten Windeln rausgesucht, auch wenn ich natürlich zusätzlich mit echten Argumenten glänzen möchte 😉

Windelfrei, was soll das denn sein?

Das hab ich mich lange gefragt und hab das Thema als „übertrieben“ abgetan. Mein Sohn war 7 Monate alt, als ich doch Zeit und Muße fand,mich mit dem Thema „windelfrei“ auseinanderzusetzen. Ich höre Podcasts und dachte nur „das kann doch gar nicht so einfach klappen!“

Noch während des Hörens fasste ich den Entschluss, es direkt nach dem Aufwachen – der kleine schlief grade ausnahmsweise mal – auszuprobieren. Schließlich war das ja eine der sagenumwobenen Standardsituationen. Und ob ihrs glaubt oder nicht (mir fiels selbst schwer!): er machte Pipi über der Toilette als ich ihn dann drüber hielt!

Ich war fasziniert und machte so weiter, dass ich ihn dann, wenn’s grade passte passte, über die Toilette hielt. Es dauerte nicht lange und das Morgenhäufchen landete zuverlässig im Klo statt in der Windel. War das cool! 😍

Wir starteten also mit ca. 7 Monaten und es lief echt gut! Wir nahmen es locker, boten vor allem nach dem Schlafen an und freuten uns jeden Morgen über ein Häufchen im Potty. Ein paar Monate lief das so und wir waren zufrieden, wir erwarteten kein trocken werden oder Ähnliches. Kurz nach seinem 1. Geburtstag wurde unser Sohn krank und musste letztlich ein Antibiotikum nehmen. Wie das mit Antibiotika so ist – es gab Durchfall 💁🏻‍♀️

Ich griff dann in dieser Phase zu Einwegwindeln, weil ich ansonsten einfach täglich hätte waschen müssen. Und als der Kleine wieder gesund war, hatte er jegliches Gefühl für seine Ausscheidungen verloren – die Einwegwindeln waren ja immer trocken, es gab kein Feedback mehr, wenn er urinierte. Wir wickelten wieder ganz normal und es dauerte fast ein Jahr, bis wir wieder „Erfolge“ auf dem Töpfchen feierten. Ihr könnt es euch vielleicht vorstellen: im Nachhinein hätte ich lieber zwei Wochen lang täglich gewaschen 🤷🏻‍♀️

Was ich daraus gelernt habe:

Windelfrei geht nebenbei und ohne dogmatisch zu sein.

Und: Stoffwindeln sind die perfekte Unterstützung beim Trockenwerden und beim Thema Ausscheidungskommunikation. 🥰

Praktiziert ihr (Teilzeit-)Windelfrei?

Meine Stoffwindelgeschichte: eine kleine Odyssee mit Happy End

Dass ich mit Stoffwindeln wickeln würde, wurde mir irgendwann in der Schwangerschaft klar. Ich stieß zufällig auf das Thema und war sofort begeistert – passte es doch perfekt zu meinen Vorstellungen und dem Versuch, das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten. Ich hatte keine Wickelerfahrung und keine Ahnung – weder von Einwegwindeln noch von Stoffwindeln. Das war vielleicht mein Glück, aber dazu später.

Die Reise begann mit einem Komplettpaket eines Ai3-Systems. Ich wollte keine Newborn-Windeln – das wäre ja rausgeschmissenes Geld, für die ersten Wochen sollte es ja wohl irgendwie mit den OneSize klappen! Pustekuchen… Natürlich klappte das vorne und hinten nicht. Ich wollte aber unbedingt! Also kaufte ich alles mögliche nach, nur keine Newborn-Windeln. Reihenweise All in Ones zogen in den kommenden Wochen und Monaten bei uns ein und ja, irgendwann klappte es auch. Schließlich wächst jedes Kind mal aus der Neugeborenenzeit raus. Hätten wir das Thema „Was ich vorher hätte wissen wollen“ also auch abgehakt – aber eigentlich wusste ich es ja sogar, ich wollte es nur nicht wahrhaben: Neugeborene brauchen in den allermeisten Fällen Newborn-Windeln!

Nachdem das Stoffwindel-Game bei mir dank zahlreicher AiO lief, probierte ich es auch immer mal wieder mit den Ai3s, wurde aber einfach nicht warm damit. Anstatt mich mit den All in One-Windeln zufrieden zu geben, schwenkte ich um zu Überhosen. Ich schätze, da war unser kleiner ein halbes Jahr alt. Wir wurden glücklich und sind es bis heute!

Durch mein vieles Herumprobieren, das ich wohl meiner Verbissenheit zu verdanken habe und dem Fakt, dass ich keine Erfahrung hatte – ansonsten, wer weiß, vielleicht hätte ich gesagt, Einwegwindeln sind ja viel einfacher, nehm ich halt die? – und diese Odysee kam ich auf die Idee, eine Ausbildung bei der Stoffwindel Akademie zu machen.

Ich bin froh, dass es so gelaufen ist, denn jetzt sind Stoffwindeln nicht mehr nur unser Wickel-Leben, sondern auch mein Arbeitsleben und eine Möglichkeit, ein bisschen mehr Nachhaltigkeit in die Welt zu bringen. Denn: Jede gesparte Einwegwindel ist ein Erfolg!

Und die Moral von der Geschichte: eine Stoffwindelberatung und vielleicht ein Mietpaket hätten mir wohl viel Zeit und Frust erspart.

Offener Brief zum Stoffwindelzuschuss

Sehr geehrtes Team des Abfallwirtschaftsbetriebes,

Sehr geehrte Verwaltungen und Kommunen,

Wir treten heute mit einer Bitte an Sie heran: Zeigen Sie jungen Familien mehr Möglichkeiten zur Müllvermeidung im Sinne der Nachhaltigkeit auf!

In der Satzung des AWB Emsland ist in Paragraf 4 die Abfallberatung festgeschrieben. Dort heißt es, dass Sie über die Möglichkeiten der Müllvermeidung informieren müssen. Ein nicht zu vernachlässigender Anteil des anfallendes Restmülls ist Windelmüll. Dieser ist vermeidbar und fällt erst seit einigen Jahrzehnten überhaupt an!

Stoffwindeln vermeiden nicht nur viel schwer recyclebaren Müll, sie sind auch gesünder fürs Kind, da sie atmungsaktiv sind. Moderne Stoffwindelsysteme sind außerdem unkompliziert in der Anwendung und kinderleicht zu waschen. Ein großes Aber sind allerdings für manche Familien die Anschaffungskosten. Diese sind zwar über die gesamte Wickelzeit gesehen meist niedriger als die Kosten, die über denselben Zeitraum für Einwegwindeln anfallen würden – doch muss der Betrag eben auf einmal aufgebracht werden und nicht verteilt über zwei bis drei Jahre.

Ein Zuschuss für Familien, die mithilfe von Stoffwindeln Schätzungen zufolge 400kg Windelmüll pro Jahr und Kind einsparen, ist in unseren Augen ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den Windelmüll und für mehr Nachhaltigkeit. Viele Kommunen und Abfallwirtschaftsbetriebe haben bereits Zuschüsse eingeführt, in Österreich ist dies sogar die Norm.

Die Zukunft der Kinder liegt in unseren Händen. Wir sollten gewissenhaft mit dieser Verantwortung umgehen und auch Kommunen und Abfallwirtschaftsbetriebe können ihren Teil dazu beitragen. Darum fordern wir Sie auf, sich mit Stoffwindeln als Müllvermeidungsmöglichkeit auseinanderzusetzen und im besten Fall nicht nur darüber zu informieren, sondern auch einen finanziellen Anreiz in Form eines Zuschusses auf den Weg zu bringen.

Wir stehen Ihnen für Fragen und Gespräche gern zur Verfügung,

Sabrina Betzer, Windelfrei- und Artgerecht-Coach

Mascha Abeln, Soziologin und Stoffwindelberaterin

Klartext: Was kosten Einwegwindeln?

Oft heißt es, Stoffwindeln seien teuer in der Anschaffung. Aber was kosten eigentlich Wegwerfwindeln?

Hast du dir schon ausgerechnet, was dich Einwegwindeln kosten?

Es ist nämlich so: Stoffwindeln müssen nur einmal gekauft werden und können dann, abgesehen von Newborn-Windeln, meist die gesamte Wickelzeit genutzt werden. Je nach Kind sind das im Regelfall mindestens zwei, nicht selten drei Jahre. In der Anfangszeit werden Babys rund 11 mal am Tag gewickelt, mit der Zeit wird es etwas seltener.

Rechnen wir doch einfach mal: Bei günstigen Windeln der Drogerie-Eigenmarken landen wir immerhin bei etwa 600 Euro, die wir über drei Jahre Wickelzeit ausgegeben haben. Möchten wir den Marktführer nutzen, sind es bei 36 Monaten schon rund 1500 Euro. Ökowindeln kosten uns sogar etwa 3000 Euro! Und was bleibt? Ein Haufen Windelmüll, der erst nach ca. 450 Jahren zersetzt ist.

Was zeigt uns das? Selbst wenn wir günstig einkaufen, können wir uns von der ausgegebenen Summe zahlreiche Stoffwindeln kaufen. Die günstigsten Systeme liegen schon bei rund 200 Euro für ein Komplettset! Und diese Windeln können dann beispielsweise bei den Geschwistern weitergenutzt werden – oder über Kleinanzeigenmärkte im Internet verkauft werden.

An dieser Stelle kommt oft ein Argument, das bis vor einiger Zeit sogar noch großes Gewicht hatte: 200-600 Euro auf einen Schlag auszugeben, kann sich nicht jeder leisten. Aber selbst, wenn ihr euch die Stoffwindeln nicht zur Geburt schenken lassen könnt oder es anders löst, zahlreiche Shops bieten inzwischen Ratenzahl-Möglichkeiten, zum Beispiel über Paypal oder Klarna, an.

Ihr habt Lust bekommen, auch mit Stoff zu wickeln, wisst aber nicht, welches System das richtige für euch (und euren Geldbeutel?) ist? Ich berate euch gern individuell und gehe auf Wunsch auch tiefer auf finanzielle Aspekte ein.