Stoff vs. Einweg – der Umweltcheck

Manche stehen Stoffwindeln kritisch gegenüber: die einen finden den Gedanken „eklig“, die anderen stellen in Frage, wie nachhaltig etwas sein kann, das regelmäßig heiß gewaschen werden muss. Was ist dran am Mythos der nur vordergründig nachhaltigen Stoffwindel, die durch Waschmaschine und Trockner heimlich Ressourcen frisst?

Die Studienlage dazu ist schwierig. Es gibt zwar eine neuere Studie des UN Environment Programme, das ziemlich deutlich die Stoffwindel als Gewinnerin herausstellt (nachzulesen in diesem PDF), doch eine ältere Studie, die sehr fragwürdige Maßstäbe beim Vergleich der Stoffwindeln mit den Einwegwindeln angesetzt hat (90 Grad Wäsche, regelmäßiger Trockner…), sitzt in vielen Köpfen noch tief. Ich verlinke sie absichtlich nicht – wer sie suchen möchte, findet sie sicherlich über die Suchmaschinen.

Die Studienlage über Stoffwindeln grob zusammengefasst

Ich fasse die Ergebnisse kurz zusammen: Stoffwindeln sind dann nachhaltig, wenn wir uns nachhaltig verhalten. Heißt: 60 Grad Wäsche reicht und je seltener der Trockner läuft, desto besser – übrigens nicht nur für die Umweltbilanz sondern auch für die Lebensdauer der Windeln selbst, was ebenfalls ein Faktor ist. Wie lange ein Produkt genutzt wird, ist nicht zu vernachlässigen. Das heißt: gebrauchte Windeln sind natürlich „nachhaltiger“ als neue, neue die gut gepflegt werden und weitergegeben sind auch positiv zu bewerten (noch ein Grund, den Trockner auszulassen).

Ein Faktor, der beim Umgang mit den Windeln noch völlig außen vor ist, ist der entstehende Müll. Bei Einwegwindeln ist es klar: jede Windel landet im Müll. Bei kleinen Säuglingen sind das 10-12 Windeln in 24 Stunden – später noch 7,6,5… Insgesamt kommen Kinder so durchschnittlich auf 5000-6000 Windel(wechsel) – dieser Berg ist enorm, wenn er komplett aus Müll besteht. Und: Windelmüll wird verbrannt. Er ist derzeit nicht recyclebar. Auf dem Portal Deine Stoffwindel gibt es dazu ein tolles Interview, schaut gern mal rein.

Was können wir tun, damit unsere Stoffwindeln ökologisch unbedenklich sind?

Ich denke, meine Meinung war euch von vornherein klar – aber was sind weitere Faktoren, mit denen wir den Fussabdruck von Stoffwindeln beeinflussen können? Da wären:

  • Anzahl anpassen: Verfalle in keine Sammelleidenschaft!
  • Auf Materialien achten: Baumwolle aus kontrolliert biologischen Anbau ist weit weniger ressourcenintensiv als zum Beispiel Bambusviskose
  • Lass den Trockner aus: Auch im Winter lassen sich Windeln auf der Leine trocknen
  • Waschen: 60 Grad sind genug – lass nur vorher einen Spülgang durchlaufen und nutze Vollwaschmittelpulver!

Das sind die Basics. Eigentlich ganz einfach, oder? Wenn wir diese Punkte (teilweise) beachten, bin ich fest überzeugt: Stoffwindeln sind nachhaltiger als Einwegwindeln. Wir kämen ja auch nicht auf die Idee, Einweggeschirr und Einwegbesteck zu nutzen, statt unser normales in die Spülmaschine zu legen…

Ähnlich sieht man es übrigens bei Bayern 1: Dort gab es im Oktober einen tollen Beitrag zu diesem Thema. Die Web-Version findet ihr hier.

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